Steel Standart

1.4571 Stahl: Eigenschaften, Zusammensetzung, Äquivalente

1.4571 (X6CrNiMoTi17-12-2, 316Ti) ist der titanstabilisierte 316 der EN 10088: 2–2,5 % Mo, Ti ≥ 5×C, 220–240 MPa Streckgrenze, PREN etwa 24.

Letzte Aktualisierung

SystemEN (European)
NormEN 10088-2
Werkstoffnr.1.4571
FamilieNichtrostender Stahl
Min. Streckgrenze≥ 240 MPa ≥ 34.8 ksi · Cold-rolled sheet (C), ≤ 8 mm, +AT

Was ist 1.4571?

1.4571 ist der mit Titan stabilisierte Vertreter der 316er-Familie und gemeinsam mit 1.4404 das, was im deutschsprachigen Raum als V4A über den Tresen geht. Statt den Kohlenstoff auf 0,03 % zu drücken, setzt das Werk Titan in mindestens fünffacher Menge des Kohlenstoffgehalts zu: der Kohlenstoff fällt schon beim Warmwalzen als unschädliches Titankarbid aus, und die Matrix mit 17 % Chrom und 2,2 % Molybdän behält ihre volle Korrosionsbeständigkeit — auch nach dem Schweißen und nach Betrieb zwischen 400 und 550 °C.

Genau diese Warmfestigkeit ist der Grund, warum 1.4571 in deutschen, österreichischen und osteuropäischen Zeichnungen für Druckbehälter, Abgas- und Rauchgasanlagen sowie den Chemieanlagenbau weiterhin die vorgeschriebene Sorte ist (EN 10028-7, AD 2000). Die Streckgrenze liegt 10 bis 20 MPa über 1.4404, die Zeitstandfestigkeit deutlich darüber, die Lochfraßkennzahl ist mit etwa 24 gleich.

Bezahlt wird das mit der Oberfläche. Titankarbonitride zeichnen sich beim Hochglanzpolieren als feine Schlieren ab und können in dünnem Blech Lochfraß auslösen — deshalb sind hygienische und dekorative Anwendungen zu 1.4404 abgewandert.

Außerhalb Europas ist 316Ti eine Randsorte. Die ASTM führt sie als S31635, amerikanische Werke lagern aber 316L, weshalb Spezifikationen dort in aller Regel den Austausch ausdrücklich zulassen.

1.4571 chemische Zusammensetzung

1.4571 — Massen-% (EN 10088-2:2014)
ElementMassen-%Anmerkung
C≤ 0.08
Si≤ 1
Mn≤ 2
P≤ 0.045
S≤ 0.015
Cr16.5 – 18.5
Mo2 – 2.5
Ni10.5 – 13.5
Ti5 × C – 0.7stabilizing ratio Ti ≥ 5×C, max 0.70 %

EN 10088-2:2014, Tabelle 3. Das Titan bindet den Kohlenstoff als Titankarbid ab, weshalb der Stahl zwischen 500 und 800 °C nicht sensibilisieren kann — die Alternative zum Absenken des Kohlenstoffgehalts, wie sie 1.4404 wählt.

1.4571 mechanische Eigenschaften

1.4571 — Längsproben, sofern nicht anders angegeben; die Werte sind Mindestwerte oder Bereiche, wie in der Norm angegeben.
Dicke / ZustandStreckgrenze ReH / Rp0,2
MPa (ksi)
Zugfestigkeit Rm
MPa (ksi)
Bruchdehnung A %Härte
Cold-rolled sheet (C), ≤ 8 mm, +AT ≥ 240 (≥ 34.8) 540–690 (78.3–100.1) 40≤ 215 HB
Hot-rolled strip (H), ≤ 13.5 mm, +AT ≥ 220 (≥ 31.9) 520–670 (75.4–97.2) 40≤ 215 HB
Hot-rolled plate (P), ≤ 75 mm, +AT ≥ 220 (≥ 31.9) 520–670 (75.4–97.2) 40≤ 215 HB
Bar ≤ 160 mm, +AT (EN 10088-3) ≥ 200 (≥ 29.0) 500–700 (72.5–101.5) 40≤ 215 HB
Rp0.2 at 300 °C (EN 10028-7) ≥ 145 (≥ 21.0) — ——
Rp0.2 at 500 °C (EN 10028-7) ≥ 125 (≥ 18.1) — ——

Lösungsgeglüht bei 1020–1120 °C. Die Mindestwerte bei erhöhter Temperatur stehen in EN 10028-7 für Druckbehälterblech.

Kerbschlagzähigkeit

1.4571 requires a minimum Charpy V-notch energy of 60 J at -196 °C (typical). Austenitisches Gefüge: kein Steilabfall der Zähigkeit, bis in den Tieftemperaturbereich einsetzbar.

1.4571 Äquivalente Sorten

1.4571 Äquivalente: ASTM, EN, JIS, GB, DIN
SorteSystemÜbereinstimmungWarum / Unterschiede
316TiAISI / SAEIdentischUNS S31635 nach ASTM A240: C höchstens 0,08, Cr 16–18, Ni 10–14, Mo 2–3, Ti mindestens das Fünffache von C+N bis 0,70. In den USA selten auf Lager.
320S31BS (superseded British)IdentischBS 1449 320S31.
06Cr17Ni12Mo2TiGB/T (China)IdentischGB/T 20878 06Cr17Ni12Mo2Ti, früher 0Cr18Ni12Mo2Ti.
10Kh17N13M2TGOST (Russia/CIS)IdentischGOST 5632 10Kh17N13M2T: C höchstens 0,10, Cr 16–18, Ni 12–14, Mo 2–3, Ti 5×C bis 0,7 — die russische Standardsorte mit Molybdän.
SUS316TiJIS (Japan)IdentischJIS G4304 SUS316Ti: C höchstens 0,08, Cr 16–18, Ni 10–14, Mo 2–3, Ti mindestens 5×C.
316AISI / SAENaheGleiche Korrosionsklasse; 316L erreicht die Schweißnahtstabilität über den niedrigen Kohlenstoff statt über Titan. Außerhalb Europas der übliche Ersatz.
316AISI / SAENahe316Ti — Ti-stabilized; equivalent corrosion class, better at 400–550 °C.
1.4404EN (European)NaheDerselbe Stabilitätseffekt über niedrigen Kohlenstoff: besser polierbar, in der Festigkeit etwas darunter.
1.4401EN (European)NaheDer unstabilisierte 316; in dicken Schweißverbindungen sensibilisierungsgefährdet.

Identisch = gleiche Zusammensetzung und mechanische Grenzwerte im Rahmen der Rundung. Nahe = ein Grenzwert weicht ab (z. B. Kohlenstoffgehalt oder Prüftemperatur der Kerbschlagarbeit). Funktional = für die meisten Anwendungen nach technischer Prüfung austauschbar. Vollständiger Querverweis für 1.4571 →

Alte und zurückgezogene Bezeichnungen

Ersetzte Bezeichnungen für 1.4571
Alte BezeichnungNormAnmerkung
X10CrNiMoTi18 10DIN 17440 (zurückgezogen)Gleiche Werkstoffnummer 1.4571; nur der Kurzname änderte sich mit der EN 10088.
320S31BS 1449Die britische Entsprechung von 316Ti.
Z6CNDT17-12NF A 35-573Die französische Bezeichnung derselben Sorte.

Lieferformen und Toleranznormen

Product forms: warmgewalztes Blech (die vorherrschende Form), kaltgewalztes Blech und Band, Stabstahl, Schmiedestücke, Profile, nahtlose und geschweißte Rohre (EN 10216-5 / EN 10217-7), Formstücke und Flansche.

Dimensional tolerances: Blech: EN 10029; kaltgewalzt: EN ISO 9445-2; Stabstahl: EN 10278 / EN 10060.

Wichtige Kennwerte

Streckgrenze von 1.4571

Rp0,2 mindestens 220 MPa bei Blech und 240 MPa kaltgewalzt. Warm: mindestens 145 MPa bei 300 °C und 125 MPa bei 500 °C nach EN 10028-7.

Zugfestigkeit

520–670 MPa bei Blech, 540–690 MPa kaltgewalzt. Bruchdehnung etwa 40 %.

Härte

Lösungsgeglüht höchstens 215 HB. Durch Wärmebehandlung nicht härtbar; Festigkeit lässt sich nur durch Kaltverfestigung steigern.

Korrosions- und Warmfestigkeit

PREN etwa 24. Beständig gegen interkristalline Korrosion im geschweißten Zustand und nach Auslagerung zwischen 500 und 800 °C — die Prüfung nach EN ISO 3651-2 wird ohne Sensibilisierung bestanden. Dauereinsatz für Druckteile bis rund 550 °C, Zunderbeständigkeit an Luft bis etwa 850 °C.

Physikalische Kennwerte

Dichte 8,0 g/cm³, E-Modul 200 GPa, Wärmeausdehnung 16,5 × 10⁻⁶/K, Wärmeleitfähigkeit 15 W/m·K, im geglühten Zustand nicht magnetisch.

Wärmebehandlung

Lösungsglühen bei 1020–1120 °C, anschließend in Wasser oder an Luft abkühlen. Für höchste Beständigkeit gegen interkristalline Korrosion ist zusätzlich ein Stabilglühen bei 870 bis 900 °C möglich.

Schweißeignung

Sehr gut schweißgeeignet. Als Zusatz dienen 19 12 3 Nb (ER318) oder 19 12 3 L (ER316L); Titan geht über den Lichtbogen nicht ins Schweißgut über, weshalb ein unstabilisierter Zusatz zulässig ist, solange sein Kohlenstoffgehalt bei höchstens 0,03 % liegt. Vorwärmen entfällt, die Zwischenlagentemperatur bleibt unter 150 °C, eine Wärmenachbehandlung ist nicht erforderlich. Für korrosive Medien werden die Nähte gebeizt oder gebürstet und passiviert.

Zerspanung, Umformung und Wärmebehandlung

Zerspanbarkeitsindex etwa 40 %. Die harten Titankarbide erhöhen den Werkzeugverschleiß gegenüber 1.4404 leicht. Umformen und Biegen gelingen hervorragend, das Polieren auf Spiegelglanz dagegen nicht zuverlässig — es entstehen Schlieren. Die Sorte gehört deshalb zu schwerem Blech, geschmiedeten Flanschen und zerspanten Druckteilen, nicht zu dekorativem Feinblech.

Typische Anwendungen

  • Druckbehälter, Kolonnen und Wärmeübertrager nach EN 10028-7 und AD 2000
  • Rohrleitungen und Armaturen in der Chemie und Petrochemie
  • Abgasanlagen, Rauchgaskanäle und Wäscher
  • Anlagen der Textil-, Papier- und Zellstoffindustrie
  • Schweres Gerät in der Lebensmittelindustrie ohne Polieranforderung
  • Bauteile in warmer Meeresluft und unter Streusalzeinwirkung

1.4571 im Vergleich mit verwandten Sorten

Häufige Fragen

Ist 1.4571 dasselbe wie 316L?

Nicht identisch, aber in derselben Korrosionsklasse. 1.4571 ist titanstabilisiert und darf bis 0,08 % Kohlenstoff enthalten, 316L ist auf höchstens 0,03 % begrenzt. Beide widerstehen der Sensibilisierung beim Schweißen. Für Raumtemperatur kann 316L in der Regel ersetzen; oberhalb von 400 °C ist 1.4571 überlegen.

Was entspricht 1.4571 in der ASTM-Welt?

UNS S31635 beziehungsweise Typ 316Ti nach ASTM A240. Da die Sorte in Nordamerika kaum gelagert wird, lassen Spezifikationen dort üblicherweise 316L (S31603) als Alternative zu.

Warum lässt sich 1.4571 schlecht polieren?

Titan verbindet sich mit Kohlenstoff und Stickstoff zu harten Karbiden und Nitriden, die sich auf einer hochglanzpolierten Fläche als Schlieren und Nadelstiche abzeichnen. Für Spiegelglanz und hygienische Oberflächen ist 1.4404 die richtige Wahl.

Wofür wird 1.4571 verwendet?

Für Druckgeräte und Rohrleitungen in Chemie, Petrochemie und Kraftwerksbau, für Abgas- und Rauchgasanlagen, Wärmeübertrager und schwere Blechkonstruktionen in korrosiver Umgebung — vor allem in Projekten nach deutschem Regelwerk, also AD 2000 oder EN 13445 in Verbindung mit EN 10028-7.

Was bedeutet V4A?

V4A ist ein Krupp-Handelsname aus der Frühzeit der nichtrostenden Stähle und steht umgangssprachlich für die molybdänhaltige Gruppe, also 1.4401, 1.4404 und 1.4571. V2A bezeichnet entsprechend die Gruppe ohne Molybdän um 1.4301.

Geprüft gegen EN 10088-2:2014; EN 10088-2:2014 Tables 3 and 12; EN 10028-7:2016; ASTM A240/A240M-22 (comparison). Zuletzt geprüft: September 2026.